Diagnostik

Einen alten Baum verpflanzt man nicht.
Walther von Châtillon

Eine nicht ersichtliche Schädigung eines Baums kann die Standsicherheit beeinträchtigen. Es gibt dabei diverse Ursachen, die den Holzkörper zersetzen und die Holzfestigkeit mindern oder die Wachstumsschicht (Kambium-Schicht, teilungsfähiges Gewebe, verantwortlich für das Dickenwachstum des Baums) angreifen:

  • Pilze
  • Holzzersetzende Pilze gibt es mannigfaltig. Man unterscheidet im wesentlichen die Fäulearten Weißfäule (Abbau des Holzstoffs Lignin), Braunfäule (Abbau des Holzstoffes Cellulose) und die Moderfäule (Abbau der Zellwände). Zwei besonders häufig vorkommende und aggresive Pilzarten sind z.B. der Brandkrustenpilz oder der Halimasch. Besonders im Stadtgebiet wird zukünftig die durch einen Pilz (Splanchnonema platani) verursacht Massaria-Krankheit an Platanen ein Thema sein.
  • Rindenschäden
  • Auch Verletzungen der Rinde können Ursachen für eine Gefährdung des Baumbestands darstellen, insbesondere dann, wenn das Kambium verletzt wurde oder durch die Verletzung die Nährstoffversorgung (Leitungsbahnen im Splintholz) gestört wurde (Versorgungsschatten).
  • (Druck-)Zwiesel
  • Bei einem Druck-Zwiesel handelt es sich um eine V-förmige Astgabelung bei der das Dickenwachstum des Baums die beiden Äste auseinandertreibt. Diese Fehlbildung kann im Stadium des Jungbaums korrigiert werden. Unbehandelt führt sie jedoch meist zu Wassertaschen bei denen Fäulnis oder Pilze eintreten oder die Vergabelung auseinanderbricht.

Resistograph Bei einer Schadstelle lautet die Fragestellung wie sehr sich diese auf den Baum auswirkt. Es liegt an der Ausbildung und Erfahrung des Baumsachverständigen den Schaden zu finden, die Folgen für das Lebewesen Baum zu erkennen und diese sach- und fachgerecht zu behandeln. Dabei helfen Methodiken wie z.B. VTA (Visual Tree Assessment) um anhand der Körpersprache sowie der Mechanik eines Baumes Defektsymptome zu finden und zu klassifizieren. Der versierte Baumkontrolleur sieht sich dazu alle vom Boden aus (oder falls nötig mit Hubsteiger) sichtbaren Bestandteile (Wurzelhals, Wurzelanlauf, Stammfuß, Stamm, Krone, Vergabelung, Äste, Blätter) an. Eine der wichtigsten Kriterien ist dabei die Vitalität (Lebenskraft, Lebenskraft), welche sich in den verschiedenen Organen des Baumes zeigt und Aufschluß über den allgemeinen Zustand des Baums gibt. Die Vitalität ist nicht allein maßgebend für eine Aussage zur Stand- und Bruchsicherheit eines Baumes. Viele weitere Faktoren wie z.B. Baumart, Abschottungsvermögen, Kallusbildung, Standort, Alter, Nährstoffversorgung und Bodenbeschaffenheit spielen eine Rolle. Nicht zuletzt ist zu ermitteln wie z.B. eine Faulstelle im Holzkörper beschaffen ist. Hierzu können auch einfache Werkzeuge wie ein Sondierstab oder ein gummigepufferter Hammer Anhaltspunkte bieten.

Genauere Aufschllüsse bietet z.B. die eingehende Untersuchung mittels Resistograph, bei dem der Baum minimalinvasiv untersucht wird. Eine sehr kleine Bohrnadel dringt dabei in den Baum ein und ermittelt die Festigkeit des Holzkörpers anhand dessen Bohrwiderstand. Andere Methoden für eingehende Untersuchungen sind die Elasto-/Inclinomethode (Zugversuch). die statisch integrierte Baumbeurteilung (SIB) und die Schalltomographie. Der Baumkontrolleur muß anhand der vermuteten Schadsymptome die passende Untersuchungsmethode wählen und eindeutig zu ob der Baum noch standsicher ist oder welche Maßnahmen ihm helfen eine höhere Standsicherheit zu erlangen und ihn somit noch lange zu erhalten.

Resistographuntersuchung eines gesunden Baums

Die Kurve einer Resistographuntersuchung an einem gesunden Laubbaum zeigt eine nach Innen ansteigende Holzfestigkeit (grüne Kurve).

Resistographuntersuchung eines schadhaften Baums

Währenddessen diese Kurve einen starken Abfall der Festigkeit zeigt.